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Hochmut – Superbia
Vielleicht mag es im 21. Jahrhundert etwas merkwürdig erscheinen, wenn von Sünden oder gar Todsünden die Rede ist, für eine aber, die erste der sieben Todsünden, die superbia findet sich dem ungeachtet in der modernen Psychologie ein Krankheitsbild – der Narzissmus. |
Narzissten sind Menschen, die im Allgemeinen als arrogant, selbstgefällig, überheblich oder wichtigtuerisch bezeichnet werden können. Sie zeichnen sich durch ein grandioses Selbstbild aus, sind vollkommen von sich und der eigenen Wichtigkeit überzeugt, übertreiben ihre Fähigkeiten und Erfolge und haben ein schier unstillbares Bedürfnis nach Bewunderung und Anerkennung.
Dass der Sport ein Gebiet ist, der nachgerade für den Narzissten geschaffen scheint, liegt auf der Hand. Wohl kaum ein Lebensbereich bietet diesen Menschen ein derart umfangreiches Betätigungsfeld. Wer eine Zeit lang sich sportlich betätigt, wird bald feststellen, dass der eigene Körper Veränderungen erfährt und das unverzichtbare Werkzeug des Narzissten, den Spiegel, vermehrt gebrauchen. Er wird aber auch früher oder später merken, dass es Schlechtere, Langsamere, Besiegte gibt. Ist er ein „echter“ Narziss, so wird er die Besseren, Schnelleren, die Sieger kaum beachten, ihre Erfolge verfälschen, ignorieren oder mit einer anderen „Todsünde“, dem Neid, quittieren.
Bei jedem Wettkampf ist er in großer Zahl zu beobachten, der narzisstische Sportler, wie er aufgeregt, eingebildet, überheblich, so als wäre er der einzige Teilnehmer, seine Startnummer abholt, verärgert ist, wenn er nicht sofort das Gefühl bekommt, vor einer nahezu unfassbaren sportlichen Leistung zu stehen. Später, kurz vor dem Start, wenn er mit stolzer Miene sein Aufwärmprogramm abspult, soll sich keiner unterstehen, ihn nicht zu beachten – er hingegen würdigt die anderen keines Blickes – die Schlechteren sowieso nicht und die Besseren ebenso nicht, könnten sie doch sein narzisstisches Selbstbild trüben. Während des Bewerbes ist er es, der an einer Verpflegungsstelle seinen Unmut äußert, wenn nicht alles perfekt ist – auch wenn er als einer der letzten vorbei kommt. Im Ziel schließlich muss mindestens ein Familienmitglied, oft die bedauernswerte Ehefrau, ihn bewundernd empfangen, seine Kleidung bereithalten, ihn bewundern und loben. Dass auch andere Leistungen vollbracht haben, interessiert ihn nicht, er ist der Wichtigste und sollte es jemand wagen, dies nicht zu würdigen, so gnade ihm Gott.
Im Grunde bedauernswert aber meist dennoch ärgerlich sind sie, diese Sportler. Bei genauerem Nachdenken freilich stellt sich aber schnell heraus, dass die Narzissten letztlich das Wesen des Sportes verkennen und sich der unzähligen Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung berauben, die das sportliche Training dem Aufmerksamen bietet.
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